Reisetagebuch 2013 Elfenbeinküste

Die chocri Gründer Michael Bruck und Franz Duge packen mit an


Verfasst von: Franz Duge | Artikel erstellt/zuletzt geändert: 20. August 2013

  • Alles in der Elfenbeinküste kann schon mal mindestens zweieinhalb Stunden länger dauern.
  • Frisches Fleisch ist hier prinzipiell lebendig und wird oft auch so verkauft oder verschenkt.
  • Gastfreundschaft wird im Land des Kakaoanbaus extrem großgeschrieben.

Vom 15. bis 26. Februar 2013 waren unsere chocri Gründer und seinerzeit Geschäftsführer zu Gast bei „unserem“ Kinderheimprojekt in Gagnoa an der Elfenbeinküste. Gemeinsam mit anderen fleißigen Helfern packten sie mit an, um beim Bau des neuen Kinderheims des DIV-Kinder e.V. zu helfen. Denn Spenden sammeln ist das eine, selbst mit anpacken das andere. Hier findet Ihr das Reisetagebuch dazu: geschrieben von Franz Duge, bebildert mit Fotos von Michael Bruck!

Tag 1 – Anreise und Ankunft in Abidjan


Das chocri-Taxi als erste Überraschung

Das chocri-Taxi als erste Überraschung

Heute ging es endlich los. Um 6.45 Uhr startete unser Flug nach Brüssel, wo die anderen zehn Reiseteilnehmer bereits auf uns warteten. Gemeinsam ging es um 12 Uhr in Richtung Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, wo wir um 19 Uhr Ortszeit bei heißen 31 Grad Celsius sicher landeten. Da ich meinen Impfpass vergessen hatte, musste ich gleich noch im Flughafen zum Amtsarzt.

In der Elfenbeinküste ist die Impfung gegen Gelbfieber Pflicht. Die hatte ich mir zwar noch in Deutschland geben lassen, aber ohne Impfpass hatte ich auch keinen Nachweis. Doch gegen eine kleine „Gebühr“ von 10.000 CFA-Franc (umgerechnet ca. 15 Euro) konnte ich schließlich doch passieren.

Aus dem Flughafen raus gab es die erste Überraschung für uns. Vor dem Flughafen warteten bereits zwei Taxis mit dem großen Aufdruck „EINE CHOCRI-SPENDE“. Die beiden Taxis wurden im Rahmen des Selbsthilfeprojekts vor knapp zwei Jahren gespendet. Beide Autos ermöglichen zwei Familien nun ein Einkommen und durch die Mietzahlungen der Taxibesitzer werden zudem laufende Kosten des Kinderheims gedeckt.

Mit diesen Taxis ging es dann zum Hotel „Canal“. Unser Zimmer war zwar sauber und hatte eine Klimaanlage, aber man sah deutlich, dass das Hotel schon bessere Zeiten erlebt hatte. Das Bad war ohne Strom und die Toilette hatte ihre Toilettenbrille verloren. Außerdem gab es statt fließendem Wasser nur einen Eimer. Alles in allem aber eine gute Erfahrung, die uns gelehrt hat:

„Wir sollten unseren europäischen Luxus nicht für selbstverständlich halten.“

Am Abend gab es dann das erste ivorische Essen: Achikee mit Fisch. Achikee ist eine afrikanische Spezialität aus Maniokwurzel, die wie Reis aussieht und kartoffelähnlich schmeckt. Da es kein Besteck gab, wurde mit den Händen gegessen. Das war ziemlich ungewohnt, aber eine Erfahrung wert! Nach dem Essen machten wir einen kleinen Verdauungsspaziergang und besuchten einen Pastor, der sich ebenfalls für das Kinderhilfswerk des DIV einsetzt.

Nach zwei Stunden Fußmarsch zurück zu unserem Hotel, trotz Dunkelheit lagen die Temperaturen immer noch bei über 30 Grad, kamen wir total verdurstet im Hotel an. An diese unglaubliche Hitze und das regelmäßige Wassertrinken mussten wir uns erst einmal gewöhnen. Um 0.30 Uhr ging es nach dem anstrengenden ersten Reisetag dann endlich ins Bett.

Tag 2 – Fußball, Gottesdienst und Heiratsantrag


Beim Fußball jubeln die Kinder in der Elfenbeinküste einfach für jedes Tor, egal wer es schießt

Beim Fußball jubeln die Kinder in der Elfenbeinküste einfach für jedes Tor, egal wer es schießt

Am zweiten Tag gingen wir es ruhig an und ließen den Morgen mit einem schönen Frühstück beginnen. Wir sollten eh noch in Abidjan bleiben. Am Nachmittag gingen wir zu einem Fußballspiel, das von einer christlichen Gemeinde organisiert wurde.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer Kakaosammelstelle vorbei und konnten einen intensiven Schokoladengeruch wahrnehmen. Schade, dass wir diesen nicht für Euch mitbringen konnten!

Der Verkehr ist, aus deutscher Sicht, sehr chaotisch und teilweise undurchschaubar. An einigen Kreuzungen gab es zwar Ampeln, doch es hielt sich kaum jemand an Regeln. Selbst die Unterstützung der Ampeln durch Verkehrspolizisten wurde gekonnt ignoriert.

„Gut, dass wir nicht selbst fahren mussten!“

Das Fußballspiel war wirklich gut und spannend anzusehen. Das Lustigste am Spiel war allerdings, dass sich alle Kinder nach einem Tor so freuten und auf den Platz rannten, völlig unabhängig davon, wer den Treffer erzielt hatte. Pure Lebensfreude ohnegleichen, die zum Nachdenken anregte. Nach dem Spiel durften wir noch einen afrikanischen Gottesdienst erleben.

Der war so ganz anders als ein deutscher, es wurde viel getanzt und laut gesungen. Als der Gottesdienst zu Ende war, wurden wir noch zum Essen beim Pastor eingeladen. Gastfreundschaft wird hier ganz großgeschrieben. Es gab Bananenklöße mit Fisch und einer scharfen Soße. Auch das Essen war etwas, an das sich der europäische Gaumen erst mal gewöhnen musste.

Nach dem Essen ging es dann wieder zurück ins Hotel, wo Micha und ich uns noch an die Bar setzten und eine kalte Cola tranken. Bereits nach 5 Minuten erhielt ich einen Heiratsantrag von Astrid, der Bar-Frau, die kaum Englisch sprach und nur „I love you“ zustande brachte. Ich schaffte es, mich höflich aus der Situation rauszuwinden.

Tag 3 – Sonntag ist (auch hier) Ruhetag


Fisch und Fleisch ohne Kühlung am offenen Marktstand ist hier völlig normal

Fisch und Fleisch ohne Kühlung am offenen Marktstand ist hier völlig normal

Micha und ich haben den landesüblichen Ruhetag am Sonntag genutzt, um auf den Großmarkt zu gehen. Dort wird wirklich alles angeboten. Wir waren vor allem von den hygienischen Verhältnissen überrascht. Alles wurde offen ausgelegt – bei über 30 Grad. Selbst Fische und Schweinefleisch waren nicht gekühlt, was natürlich einen gewissen Geruch mit sich brachte.

„Die Hühner wurden lebend verkauft – immerhin war das Fleisch so garantiert frisch.“

Der Nachmittag wurde genutzt, indem wir mit den anderen der Gruppe zusammen zum Meer fuhren. Die Wassertemperatur war angenehm kühl bei geschätzten 25 Grad. Die Wellen sind allerdings viel stärker als in der Ost- oder Nordsee. Und wenn man nicht aufpasste, kam man bereits in Ufernähe in die „Waschmaschine“ und wurde in dieser einmal durchgeschleudert.

Abends waren wir bei der Familie einer der chocri-Taxi Fahrer eingeladen. Er bedankte sich in einer sehr emotionalen Rede über das zur Verfügung gestellte Taxi. Mit dem könne er seitdem seine Familie wirklich versorgen. Es gab… wie so häufig… Achikee mit Fisch.

Tag 4 – Weiterreise nach Gagnoa


Endlich in Gagnoa mit dem Bus angekommen

Endlich in Gagnoa mit dem Bus angekommen

Wir standen am Montag schon ziemlich früh auf, um zu frühstücken und direkt danach zur Botschaft zu fahren, um uns anzumelden. Leider kamen wir gar nicht in die Botschaft rein. Die Anmeldung würde seit Neuestem nur noch online gemacht. Wer hätte das erwartet? Das Internet ist überall!

Danach ging es mit der Gruppe zum Busbahnhof, wo wir weiter nach Gagnoa, zu unserem eigentlichen Reiseziel, fahren sollten. Am Bahnhof angekommen wurde uns jedoch von der Busgesellschaft mittgeteilt, dass der eigentliche Bus ihrer Meinung nach nicht „gut genug“ wäre. Wir mussten zweieinhalb Stunden auf den nächsten Bus warten.

„Während der Wartezeit konnten wir Spannendes beobachten: Drei lebendige Ziegen wurden in den Kofferraum des Busses verfrachtet.“

Nach fünf schier endlosen Stunden in einem Bus ohne Klimaanlage, dafür aber mit einem Fernseher, auf dem eine chinesische Fußball-Komödie flimmerte, kamen wir endlich in Gagnoa an. Zu den Straßen kann man sagen, dass sie teils auf dem Niveau deutscher Autobahnen sind, teils aber auch so schlecht und voller riesengroßer Schlaglöcher, dass man nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren konnte.

Während der Fahrt gab es den ersten Regen, den wir erlebten. Laut Aussage der Einheimischen war es sogar der erste in diesem Jahr. Kurz nach der Ankunft in Gagnoa fiel in der ganzen Stadt der Strom und das Wasser für vier Stunden aus. Das sei wohl völlig normal in der Elfenbeinküste und läge nicht am schlechten Karma unsererseits, wurde uns mitgeteilt. Wir nächtigten dieses Mal nicht in einem Hotel, sondern in einer Gästewohnung des DIV-Kinder Vereins.

Tag 5 – Erster Kontakt zur Baustelle


Die Baustelle des Kinderheims aus der nahen Ferne vom Weg aus

Die Baustelle des Kinderheims aus der nahen Ferne vom Weg aus

Das Großartige an der Gästewohnung war allerdings, dass es fließend Wasser gab! Ich stand also schon um 6.40 Uhr auf, um als Allererster zu duschen. Es war ein wirklich tolles Gefühl, Wasser aus einer Leitung zu haben.

Nach dem Frühstück und der Morgenandacht meldeten wir uns im Polizeibüro und beim Bürgermeister an. Wir wurden, typisch für Afrika, sehr herzlich empfangen. Uns wurde gesagt:

„Wir dürften uns jederzeit melden, wenn wir Hilfe bräuchten.“

Danach ging es bei fast unerträglicher Mittagshitze, 35 Grad im Schatten, zu Fuß zum Areal des Kinderheims. Dort angekommen waren wir überwältigt, dass schon so viel gemacht wurde. Der Brunnen stand bereits und das Schlafhaus war auch schon fertig. Das Aufenthaltshaus der Kinder, der Platz zum gemeinsamen Spielen und Lernen, war gerade im Bau.

Genau an diesem Gebäude würden wir also mitarbeiten! Wir schauten uns schon mal sehr neugierig um. Nach diesem weiteren sehr heißen Tag kochte Theo für uns leckeres afrikanisches Essen. Dieses Mal nicht Achikee mit Fisch :). Yeah!

Tag 6 – Eine Grube graben


Die Grube für diese tolle Kochstelle draußen haben wir gegraben (das Bild erhielten wir später)

Die Grube für diese tolle Kochstelle draußen haben wir gegraben (das Bild erhielten wir später)

Wecken und Aufstehen war dieses Mal schon um 6.30 Uhr. Wir wollten möglichst früh am Kinderheim sein, denn nur morgens sind die Temperaturen beim Bauen erträglich. Immerhin waren es aber auch schon stolze 27 Grad.

In Richtung Kinderheim ging es dann in einem alten Taxi, bei dem die Frontscheibe einen riesigen Riss hatte und die Stoßdämpfer gefühlt nicht vorhanden waren. Zumindest erfüllten sie keine Dämpfungsfunktion.

„Unsere Aufgabe war es, eine Grube auszuheben.“

Um 9 Uhr am Kinderheim angekommen, erfuhren wir von dieser Aufgabe. Die Grube sollte als Vorbereitung dienen, um an diesem Platz eine Kochstelle zu bauen. Nach etwa fünf Stunden war unsere schöne Grube fertig! Nach dieser schweißtreibenden Arbeit fuhren Micha und ich gegen 14 Uhr also wieder zurück – die Hitze war einfach unerträglich.

Nach einer kalten Dusche und einer kurzen Verschnaufpause schlenderten wir auf den heimischen Markt. Die Gerüche waren nicht ganz so extrem wie in Abidjan – gekühlt wurde aber trotzdem nichts. Zum Abendessen gab es wie so oft das ivorische Nationalgericht: Achikee mit Fisch… und Bisamratte!

Tag 7 – Internet in der Unterkunft


Blick von unserer Unterkunft auf Gagnoa: Die meisten da draußen haben kein Internet!

Blick von unserer Unterkunft auf Gagnoa: Die meisten da draußen haben kein Internet!

Unsere Gruppe fuhr heute noch früher, nämlich schon um 6 Uhr, zum Kinderheim, um die kühlen Morgentemperaturen zum Arbeiten auszunutzen. Wir blieben heute jedoch in der Unterkunft, da wir noch für chocri im fernen Deutschland arbeiten mussten.

Bereits nach nur vier Stunden kam die Gruppe ohnehin total kaputt wieder zurück. Das sehr warme Klima schien wirklich nicht für Europäer gemacht zu sein. Vor einer Woche noch das kalte Deutschland mit Schnee und Minustemperaturen und heute 35 Grad mit Sonne und fast keinem Windhauch – eine echte Herausforderung.

„Ein Techniker der Telefongesellschaft stellte heute das Internet an.“

Der Internetzugang – ein weiteres zartes Indiz der „digitalen Zivilisation“ in Gagnoa. Wir sind uns bewusst, was das für ein Luxus ist. Die meisten anderen Menschen hier haben noch nicht einmal fließend Wasser und Strom. Dafür sind wir sehr dankbar!

Micha ist heute mit Kochen dran. Es gibt ausnahmsweise etwas aus der europäischen Küche: Spaghetti Bolognese! Nur statt Hackfleisch gibt es klein geschnittenes Rindfleisch. Denn Hackfleisch gibt es hier überhaupt nicht und einen Fleischwolf hatten wir nicht dabei. Es war sehr lecker. An der Stelle ein Lob an Micha, damit hat er uns ein klein wenig Heimatgefühl vermittelt.

Tag 8 – Hühner und Schweine für das Kinderheim


Alle genüsslich beim Essen in der Gruppe… schön Achikee mit Fisch genießen

Alle genüsslich beim Essen in der Gruppe… schön Achikee mit Fisch genießen

Die Gruppe arbeitete heute wieder von 6 bis 10 Uhr. Ich selbst blieb aber leider krankheitsbedingt zu Hause. Ich weiß nicht, ob es an der Hitze, am Essen oder an beidem liegt, aber irgendetwas schien meinem europäischen Wesen nicht gut zu bekommen.

Um 15 Uhr ging es mir wieder etwas besser und wir fuhren zu einem nahegelegenen Dorf, um den Bürgermeister zu treffen. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch an einem zwei Hektar großen Grundstück an. Dieses gehörte bereits zum Kinderheim und soll später landwirtschaftlich genutzt werden.

„Das Kinderheim will dort Hühner und Schweine halten und Gemüse anpflanzen.“

Wir waren und sind fasziniert, wie fruchtbar das Land ist, obwohl die pralle Sonne den ganzen Tag bei über 30 Grad auf den Boden knallt. Regen gibt’s ja eher sehr selten. Das Essen beim Bürgermeister war sehr gut. Es gab wieder Achikee mit Fisch. Zusätzlich gab es aber auch Hühnchen – und das wiederum gibt es nur zu ganz besonderen Anlässen.

Im Anschluss fragte uns der Bürgermeister, wie wir seinem Dorf helfen könnten. Er sprach an, dass durch den letzten Krieg seinem Rathaus 20 Computer verlustig gingen. Dann äußerte er den Wunsch, dass wir ihm diese doch gerne sponsern könnten. Wir haben jedoch aus eigener Erfahrung alle Bedenken, wie man es schaffen kann, irgendwelche Sachen von Wert in die Elfenbeinküste zu liefern, ohne dafür Unsummen an Zoll und Schmiergeld zahlen zu müssen. Nach dem Essen ging es wieder aufs Zimmer, wo die anderen eine Andacht hielten. Micha und ich unterhielten uns noch bis spät abends über die christliche Religion und die Missionsarbeit.

Tag 9 – Kakaobäume für den Hof, Schokolade für die Kinder


Grandios, wie die Kinder sich über die Schokolade von chocri gefreut haben

Grandios, wie die Kinder sich über die Schokolade von chocri gefreut haben

Micha und ich fuhren heute in wichtiger Mission zum Kinderheim, um dort acht Kakaobäume zu pflanzen. Die Pflanzen sind noch ganz klein und brauchen 3-4 Jahre, bis sie die ersten Früchte tragen.

Nachmittags fuhren wir in das Dorf, in dem der Pastor früher seine Ferien verbrachte. Wir wurden mit Musik und afrikanischen Tänzen empfangen, ein wunderschönes Erlebnis. Wir hatten natürlich ordentlich chocri Schokolade im Gepäck, die wir dort an die Kinder verteilten.

„Das fröhliche Glitzern in den kleinen Kinderaugen war das größte Geschenk.“

Hinterher wurden wir erst einmal durchs Dorf geführt, haben uns die Schule sowie die evangelische und die katholische Kirche angeschaut. Im Dorf wurden wir vom Bürgermeister zum Essen eingeladen, wieder ein tolles Beispiel für afrikanische Gastfreundschaft. Dort gab es ausnahmsweise kein Achikee, sondern gleich Huhn mit Maniokwurzel.

Im Anschluss gab es dann noch einen kleinen Umtrunk bei Theos Familie mit warmem Palmwein – eine leckere neue Erfahrung. Als Gastgeschenk haben wir vom Dorf übrigens eine Ziege und insgesamt vier Hühner bekommen – als LEBENDE TIERE! WHAAAT? Das ist so ein Brauch in der Elfenbeinküste. Die Tiere haben wir noch am gleichen Abend zum Kinderheim gebracht und gespendet.

Tag 10 – Pastor, Bauleiter und Plantagenbesitzer in einer Person


Endlich haben wir mal mit eigenen Händen Kakaobohnen geerntet

Endlich haben wir mal mit eigenen Händen Kakaobohnen geerntet

Heute am Ruhetag, sprich Sonntag, gingen wir auf den Markt von Gagnoa. Wir haben uns dort die Fisch- und Fleischecke mal genauer angeschaut. Obwohl das Fleisch bei 35 Grad gelagert und verarbeitet wurde, sah es noch relativ gut aus… zumindest im Vergleich zu den anderen Märkten hier.

Am Nachmittag sind wir dann weitergezogen zur Kakaoplantage von Pastor Ferdinand. Dieser Pastor Ferdinand ist ein echter Tausendsassa:

„Der Mann ist zugleich Pastor, Bauleiter im Kinderheim und Plantagenbesitzer.“

Ein harter Dreifach-Job, aber er macht alles mit Hingabe und für den guten Zweck. Seine Plantage hat zwei Hektar und wird zweimal im Jahr geerntet. Es gab dort sensationelle Kakaobäume, die mehr als 30 Kakaofrüchte trugen. Nach der Ernte werden die Kakaofrüchte halbiert, die Bohnen entnommen, auf einem Haufen fermentiert und anschließend getrocknet. Dieser Prozess dauert etwa 4-5 Tage und wird direkt auf der Plantage vollzogen.

Ferdinand und seine Frau, die uns rumgeführt hatten, ernteten bei unserem Besuch gleich noch eine Ananas, zwei große Bananenstauden und zwei Palmnusssträucher. Gerade wenn die Plantage noch klein ist, werden häufig andere, schattenspendende Pflanzen zugepflanzt, damit die Kakaopflanzen im Schatten gedeihen können. Später allerdings können diese Pflanzen nicht mehr so gut gedeihen, weil die Kakaopflanzen sehr dicht wachsen und somit nur wenig Licht auf den Boden durchdringt.

Tag 11 – Tag der Rückreise nach Deutschland


Alles Gepäck wartet zusammen mit uns geduldig auf die Rückreise nach Deutschland

Alles Gepäck wartet zusammen mit uns geduldig auf die Rückreise nach Deutschland

Heute ist es soweit: Es geht zurück! Wir verließen um 8 Uhr das Haus, um rechtzeitig beim Busbahnhof einzutreffen und dort 9 Uhr nach Abidjan weiterzufahren. Doch wie immer in Afrika kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Wir warteten zunächst noch einen weiteren Bus ab, da unser Begleiter noch ganz in Ruhe etwas zum Essen für sich holte. Der nächste Bus um 10 Uhr hatte dann Verspätung, weil der Fahrer verschlafen hatte. Wir fuhren letztlich also um 11 Uhr los in Richtung Abidjan.

Nach etwa zweieinhalb Stunden gab es eine kleine Pause, wo Frauen und Männer gegrillte Bananen, kalte Getränke, Scampis, Brot und Nüsse verkauften. Eine öffentliche Toilette gab es am Rastplatz nicht, der Busch musste genügen. Um 16 Uhr kamen wir dann endlich am Busbahnhof an, wo uns das freundliche chocri Taxi schon empfing.

„Leider konnten wir nicht sofort weiterfahren, da sich alle Verkehrsteilnehmer gegenseitig zugeparkt hatten.“

Doch nach nur zehn Minuten ging es dann weiter. Um für unsere Liebsten daheim noch etwas mitzubringen, fuhren wir auf einen Touristenmarkt. Wir suchten schöne Tücher, leider gab es nur Holzfiguren und Schmuck. Wir fuhren also unverrichteter Dinge weiter zum Flughafen. Dort gönnten wir uns im Bistro erstmal ein (europäisches) Baguette und eine Pizza mit Cola. Herrlich!

Um 20.05 Uhr sollte unser Flieger dann starten. Leider war etwas am Heizsystem kaputt, weshalb wir erst um 22.30 Uhr abheben konnten. Unter den Gästen waren etwa 50 Christen im Einheitslook. Gottes Segen war unserem Flug somit bescheinigt. Kaum waren wir gestartet, gab es noch einen Zwischenstopp in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Hier stiegen noch ca. 30 Gäste dazu.

Wir versuchten ein wenig zu schlafen. Um 2 Uhr nachts wurden wir dann aber doch noch einmal geweckt. Es war Zeit für das ursprüngliche Abendessen, das jetzt ein Mitternachtssnack wurde. Ich lehnte höflich dankend ab. Nach der Landung in Brüssel um 7.30 Uhr dann die nächste schlechte Nachricht: Den Flieger nach Berlin hatten wir leider verpasst!

Der nächste kam erst in den berühmten zweieinhalb Stunden. Es hieß also wieder warten. Um 11 Uhr schließlich kamen wir endlich in Berlin an. Mit insgesamt 5 Städten, 5 Busstunden, 9 Flugstunden und 13 Wartestunden in den Knochen. Hach, waren wir froh, nach all dem Erlebten wieder in Deutschland zu sein und in unseren Betten schlafen zu können :).