Kakaoverordnung: Was ist das?

Gesetze wie die KVO haben ihren Sinn und das schon eine sehr lange Zeit


Verfasst von: Denise St├╝we | Artikel erstellt/zuletzt geändert: 26. September 2022

  • Erfahre in diesem Artikel interessante Hintergr├╝nde zur Kakaoverordnung.
  • Was ist eigentlich der Sinn der KakaoV? Was steckt dahinter?
  • Jede Menge Beispiele finden, was laut Verordnung mindestens drin sein muss in Schokolade!

Die Kakaoverordnung, Experten nennen sie KakaoV oder kurz KVO, regelt per Gesetz, was in der leckeren Schoko alles drin sein darf bzw. mindestens drin sein muss, damit sich Schokoladenerzeugnisse in der Tat Schokolade nennen d├╝rfen. Die Kakaoverordnung ist sozusagen das gesetzlich geregelte Reinheitsgebot von Schokolade, um es mal mit einer Lebensmittel-Analogie in der Biersprache zu sagen.

Schoki von chocri ist freilich immer nach den besten Kriterien des schokoladigen Reinheitsgebots gegossen!

In ihrer jeweils aktuellen Fassung, denn auch Schokoladenprodukte entwickeln sich fort, sodass die Gesetze ab und zu angepasst werden m├╝ssen, gelten ihre Regeln heute in allen L├Ąndern der Europ├Ąischen Union. Die KVO hat in Deutschland eine lange Tradition. Die aktuelle Fassung der Verordnung beruht allerdings auf der harmonisierten Richtlinie 2000/36/EG der Europ├Ąischen Union.

„Was den Menschen lieb und teuer ist, wird gesetzlich geregelt: Schokolade ist den Menschen lieb und teuer!“

Grob in Amtsdeutsch gesagt regelt diese Verordnung die Herstellung und Weiterverarbeitung von Kakao- und Schokoladenerzeugnissen f├╝r die menschliche Ern├Ąhrung. Damit steht sie in direkter Nachfolge von nationalen Vorg├Ąngerregelungen, die ebenfalls bereits die Qualit├Ąt und die Zusammensetzung von Schokolade, Schokoladenprodukten und Schokoladensorten sicherstellen sollten.

Ja, es ergibt durchaus Sinn, ein Erzeugnis wie Schokolade f├╝r den Verbraucher zu sch├╝tzen!

Sinn der Kakaoverordnung


Manche Quellen im Internet bezeichnen die KVO als Produkt typisch deutscher Regelungswut. In der Regel sind das Quellen, die aus irgendeinem Grund bei der Herstellung ihrer Erzeugnisse in Konflikt mit der Verordnung gekommen sind. Oder es sind solche Urheber, die halt gerne Stereotype bedienen.

Dabei hat die Verordnung durchaus ihren Sinn. Denn dank der KVO kann sich der Verbraucher darauf verlassen, dass in Schokolade nur das drin ist, was auch drin sein darf (also in dem, was offiziell als Schokolade verkauft wird). Die schokoladige Lebensmittelwelt ist dadurch f├╝r alle ein bisschen sicherer geworden.

„Die Kakaoverordnung ist ein europ├Ąisches Gesetz, kein deutsches! Sie ist bindend f├╝r alle Hersteller, die Schokoladenerzeugnisse auf dem EU-Binnenmarkt verkaufen wollen.“

Und so richtig deutsch ist die Kakaoverordnung ja auch schon lange nicht mehr. Da gen├╝gt der Hinweis, dass die aktuelle Verordnung, die am 23. Juni 2000 durch Beschluss des Europ├Ąischen Parlaments und Europ├Ąischen Rates verabschiedet und zuletzt (auf europ├Ąischer Ebene) am 15. Dezember 2003 novelliert wurde, eine EU-Regelung ist.

Abgel├Âst hat die aktuelle KVO damit seinerzeit die nationale Kakaoverordnung, die vom Deutschen Bundestag bereits am 30. Juni 1975 verabschiedet wurde. Mindestens so lange gibt es also bereits dieses n├╝tzliche gesetzliche Rezeptbuch, das die Mindestanforderungen an Schokolade und Schokoladenerzeugnisse im Sinne des Verbrauchers zum Schutz vor Produktverf├Ąlschungen regelt.

Die Richtlinie regelt die Inhaltsstoffe und Zutaten aller Erzeugnisse aus Schokolade

Was steht in der Kakaoverordnung?


Alle Inhalte in wenigen S├Ątzen auf den Punkt zu bringen, das ist schwierig. Zusammenfassend l├Ąsst sich sagen, dass in der Kakaoverordnung festgelegt ist, unter welchen Bedingungen ein Erzeugnis zum Beispiel als Kakaopulver, Schokolade, Milchschokolade oder auch Wei├če Schokolade bezeichnet werden darf.

Die jeweiligen Begriffe sind dabei je nach Produkt unter anderem vom Gehalt an Kakaotrockenmasse, Milchtrockenmasse, Milchfett oder Kakaobutter abh├Ąngig. Au├čerdem sind in der KVO weitere Regelungen getroffen, welche Zutaten bei der Herstellung von Schokolade ├╝berhaupt genutzt werden d├╝rfen. Andere scheiden im Umkehrschluss aus.

„Wenn ein Erzeugnis nur bestimmte Zutaten enthalten darf, kann seine Qualit├Ąt mindestens nicht zu sehr verschlechtert werden.“

Ein gutes Beispiel daf├╝r ist beispielsweise unsere hauseigene Vegolade┬«. An und f├╝r sich stellen wir diese n├Ąmlich mit derselben Sorgfalt, Liebe und fast sogar identischen Zutaten wie beispielsweise Kakaobutter her. Nur anstatt tierischer Milch verwenden wir f├╝r die Vegolade┬« pflanzliche Milch (etwa aus Reis, Mandeln oder Hafer). Ganz genau ist damit das zugesetzte Milchpulver bzw. die Milchtrockenmasse gemeint.

Allein deshalb darf sie eben auch nicht offiziell Schokolade hei├čen! Schlie├člich sind pflanzliche Milchbestandteile vielleicht lecker, aber laut KVO nicht zul├Ąssig. Zwar hat sich inzwischen l├Ąngst die landl├Ąufige Bezeichnung vegane Schokolade beim Verbraucher eingeb├╝rgert. Rechtlich und damit ebenfalls mindestens auf der Deklaration allein zul├Ąssig ist aber nur der Begriff Vegolade┬«.

Schokoladenerzeugnisse sind ein Lebensmittel, auf das viele schauen: Das genau darf drin sein!

Beispiele: Das alles darf genau in Schokolade drin sein!


Wir hatten das Thema erlaubte Zutaten bereits im Artikel zur Herstellung von Schokolade und vor allem im Artikel zu den Inhaltsstoffen von Schokolade angerissen. Vertiefen wir es hier noch ein bisschen. Wie ist das mit dem Kakao und der Schokolade? Wie viel wovon darf, muss und soll drin sein au├čer Kakao?

Als kleine Infos zur Erkl├Ąrung haben wir Dir einige Fakten und Hintergr├╝nde aus der Kakaoverordnung mal ├╝bersichtlich in groben Ausz├╝gen in einer Tabelle aufbereitet. Du kannst in ihr auszugsweise die Unterschiede zwischen den einzelnen Schokoladensorten erkennen, mindestens in Hinblick auf das Minimum ihrer wichtigsten Inhaltsstoffe (Kakao und andere):

Inhaltsstoffe von Schokolade

Produkte

GKTM*

KB

FKTM*

MTM

MF

GF

Schokolade

35 %

18 %

14 %

Milchschokolade

25 %

2,5 %

14 %

3,5 %

25 %

Vollmilch-Schokolade

30 %

2,5 %

20 %

5 %

25 %

Haushalts-Milchschokolade

20 %

2,5 %

20 %

5 %

25 %

Wei├če Schokolade

20 %

14 %

3,5 %

Zartbitter-Schokolade***

50 %

18 %

14 %

Bitterschokolade***

60 %

18 %

Pralinen

Für Inhaltsstoffe von Pralinen gelten dieselben Regeln der Deklaration. Als Praline selbst darf jedoch nur ein Produkt in Form mundgerechter Größe bezeichnet werden, das aus gefüllter Schokolade, aus einer einzigen Schokoladenart oder aus einer Mischung von Schokoladensorten und weiterer Lebensmittel mit einem Schokoladenanteil von mind. 25 Prozent besteht.


GKTM = Gesamtkakaotrockenmasse
KB = Kakaobutter
FKTM = Fettfreie Kakaotrockenmasse
MTM = Milchtrockenmasse
MF = Milchfett
GF = Gesamtfett

* Du hast Dich schon immer gefragt, was die Bezeichnung ÔÇ×Kakao in Prozent mindestensÔÇť auf Deiner Schoko bedeutet? Genau diesen Anteil aus der Kakaobohne ohne das darin enthaltene Wasser (ergo der reine Kakaoanteil GKTM) ist damit gemeint.
** Mit der fettfreien Kakaotrockenmasse (FKTM) ist die gesamte Trockenmasse des Kakaos ohne den Anteil an Kakaobutter gemeint.
*** Die Werte von Bitter- und Zartbitter-Schokolade sind zwar nicht in der Verordnung ├╝ber Kakao- und Schokoladenerzeugnisse geregelt, entsprechen aber der ├╝blichen Verkehrsauffassung in der Schokoladenbranche.

Kakaobutter ist besser als Palmfett oder Shea Fette

Strittige Zutaten und Deklarationszw├Ąnge


Echte Gourmets streiten immer wieder gerne ├╝ber bestimmte Zutaten. Manche sagen, dies und das macht Schokolade als Lebensmittel hochwertiger. Und dies und das geh├Ârt sich eigentlich nicht f├╝r eine gute Schokolade. Und ganz ehrlich geh├Âren wir von chocri sogar selbst zu den ├ästheten, die sagen, o.k. das und das d├╝rfte gesetzlich zwar rein, wir nehmen aber lieber hochwertigere Zutaten.

Denn der Geschmack muss am Ende ja auch den Kunden ├╝berzeugen! So d├╝rfen in Sachen pflanzliche Fette zum Beispiel neben leckerer Kakaobutter in Ma├čen auch andere Fette und Zutaten wie Palm├Âl oder Shea verwendet werden. Bis zu 5 Prozent des definierten Kakaobutteranteils d├╝rfen aktuell durch andere pflanzliche Fette ersetzt werden.

„Gerade beim Thema Lebensmittel gibt es viele Unsicherheiten und pers├Ânliche Pr├Ąferenzen. Nicht alle kann eine Verordnung l├Âsen. Sie kann aber f├╝r Sicherheit sorgen. “

Aromen d├╝rfen ebenso zwar rein in Schokoladenprodukte, d├╝rfen aber nicht den Geschmack von Schokolade und Milchfett nachahmen bzw. ÔÇ×unterst├╝tzenÔÇť. Am Ende ist es jedoch ÔÇô und das ist wiederum gut f├╝r den informierten Verbraucher ÔÇô zwingend notwendig, all diese Inhaltsstoffe mindestens auf der Deklaration (meist als Kennzeichnung auf der Produktr├╝ckseite) auszuweisen.

Kunden, die sich ein bisschen auskennen, k├Ânnen sich also jederzeit ÔÇô Angabe f├╝r Angabe ÔÇô dar├╝ber informieren, was drin ist in ihrer Schoko. Passt Dir einer der aufgef├╝hrten Inhaltsstoffe nicht oder bist Du vielleicht sogar allergisch auf einen von ihnen, kannst Du f├╝r Dich selbst entscheiden, ob Du das Lebensmittel kaufen m├Âchtest oder nicht. Viel mehr kann man als Gesetzgeber f├╝r den Verbraucher nicht tun.

Wir finden deshalb: Die Kakaoverordnung hat ihre Berechtigung. Sie bringt ein bisschen mehr Sicherheit und Ordnung f├╝r alle!